Commerz Real stellt mit dem klimaVest den größten ELTIF am Markt. Warum jetzt noch ein neues Produkt – zumal sich Infrastruktur und Energie teilweise überschneiden?
Infrastruktur ist aktuell ein omnipräsentes Thema, denn der Investitionsbedarf ist sehr groß. Wir möchten dazu beitragen, dass privates Kapital mit dem Finanzbedarf der Stadtwerke und Kommunen zusammengebracht wird. Privatanlegern, die bereits breit diversifiziert sind – mit Immobilien, Aktien und anderen liquiden Anlagen – fehlt bisher oft Infrastruktur als kapitalmarktunabhängiger Baustein im Portfolio.
Was die Abgrenzung zum klimaVest angeht: Der infraVest kann grundsätzlich in die fünf Bereiche Kommunikation, Transport, Versorgung, soziale Infrastruktur und Energie investieren. Für klassische Erneuerbare-Energien-Investments wie Photovoltaikparks oder Windkraftanlagen haben wir den klimaVest, daher steht das Thema bei infraVest nicht im Fokus.
In welchen Bereichen schauen Sie sich schwerpunktmäßig um?
Grundsätzlich investiert der infraVest in die gesamte Bandbreite der Infrastruktur-Asset-Klasse mit Fokus auf Deutschland. Generell sind aber Investments in ganz Europa möglich. Ein Thema, das uns zum Start stark beschäftigt: Viele Stadtwerke gehen aktuell das Thema Fernwärmenetze an – in diesem Bereich gibt es einen enormen Kapitalbedarf.
Wie könnte so eine Investition aussehen?
Wir steuern als Partner Eigenkapital bei. Das bedeutet, dass wir gemeinsam mit einem Stadtwerk in ein Projekt investieren können – etwa in ein Fernwärmenetz oder eine Flusswärmepumpe. Bei der Umsetzung gibt es verschiedene Wege. Eine Möglichkeit ist, dass wir einen Anteil von zum Beispiel 40 Prozent an der Projektgesellschaft erwerben. Das Stadtwerk hält die übrigen 60 Prozent.
Entscheidend ist: Wir sind keine Private-Equity-Investoren, die operative Unternehmen erwerben, umstrukturieren und nach ein paar Jahren wieder verkaufen. Unser Ziel ist es, unsere Assets – zum Beispiel ein Fernwärmenetz – langfristig gemeinsam mit unseren Partnern zu betreiben.
Auf welchen Zeitraum sind solche Partnerschaften ausgelegt?
Das ist von den Assets abhängig – und von den Partnern. Aus unseren Gesprächen mit Stadtwerken zeigt sich, dass diese in der Regel langfristig denken. Wir haben auch mit Stadtwerken gesprochen, die jemanden suchen, der ein Projekt über fünf Jahre finanziert und anschließend wieder draußen ist. Unser Wunschszenario sind langfristige Partnerschaften, aber grundsätzlich sind wir flexibel – wir können beides machen.
Gibt es schon erste konkrete Projekte oder Ankäufe für den Fonds?
Wir führen seit dem vergangenen Jahr Gespräche mit Kommunen, Stadtwerken und anderen Marktteilnehmern. Viele Verhandlungen sind weit fortgeschritten, sodass wir voraussichtlich Mitte Februar unsere erste Beteiligung erwerben.
Welche Zielgruppe sprechen Sie an? Der Infravest läuft ja – im Gegensatz zum klimaVest – unter dem ELTIF-2.0-Regime.
Grundsätzlich kann der ELTIF ab einem Euro gezeichnet werden. Wir haben zwei Anteilsklassen – eine mit etwas reduzierter Managementgebühr für Anleger ab 100.000 Euro und eine Anteilsklasse ohne Mindestanlage. In der Praxis starten viele Vertriebspartner aber bei 10.000 Euro. So hält es auch die Commerzbank, die den infraVest als erste in ihre Produktpalette aufgenommen hat.
Eigentlich sollte diese Hürde mit den neuen ELTIF-Regeln wegfallen.
Die Entscheidung liegt bei den Vertriebspartnern. ELTIFs sind ein erklärungsbedürftiges Produkt, die Beratung kostet Zeit. Die Vertriebe müssen abwägen, ab welcher Summe sie einen solchen Fonds anbieten wollen. Perspektivisch könnte es aber auch für den infraVest eine digitale Antragsstrecke geben – beim klimaVest haben wir das bereits. Über eine Online-Strecke wäre der Einstieg ab einem Euro denkbar.
Wollen Sie denn auch verstärkt Kleinanleger ansprechen?
Unsere Zielgruppen sind – ähnlich wie beim klimaVest – klassische Private-Banking-Kunden und vermögende Privatanleger. Der infraVest ist als Beimischung im Depot gedacht für Anleger, die bereits breit aufgestellt sind und langfristig investieren wollen. Das sind häufig erfahrene Anleger, die größere Beträge zur Verfügung haben. Wir würden nicht dazu raten, das ganze verfügbare Geld in einen ELTIF zu stecken.
Viel diskutiert werden bei ELTIFs die Kosten. Können Sie etwas zur Kostenstruktur sagen?
Bei der Diskussion werden oft Äpfel mit Birnen verglichen. Beim infraVest liegt die Gesamtkostenquote bei etwa 2,4 Prozent in der Anteilsklasse A. Das ist auch gerechtfertigt, denn es geht hier um aktiv gemanagte Sachwerte mit einer gewissen Komplexität. Ein ELTIF ist kein ETF, der passiv irgendeinen Index abbildet. Langfristig streben wir mit dem infraVest eine Netto-Zielrendite von 5 bis 6 Prozent pro Jahr an. Hier sind die Verwaltungskosten schon eingerechnet.
Warum sollten Anleger sich Direktinvestments in Sachwerte ins Portfolio holen?
Die Langfristigkeit ist ein wichtiger Punkt. Wir wollen Assets mit langfristigen Verträgen im Fonds haben. Dadurch verringern wir das Risiko und steigern die Chance auf eine stabile Rendite. Ein Beispiel aus der sozialen Infrastruktur: Kindergärten haben meist langfristige Mietverträge, oft mit kirchlichen oder staatlichen Trägern. Das Ausfallrisiko ist also sehr gering. Auch bei Versorgungsnetzen gibt es langfristige Verträge, in denen Abnehmerpreise und -mengen klar geregelt sind. Dadurch sind solche Investments weitgehend unabhängig vom Auf und Ab an den Aktienmärkten oder der Entwicklung der Immobilienpreise.
Dennoch ist der infraVest in Risikoklasse 4 eingestuft und liegt damit auf dem Niveau marktbreiter Aktienfonds. Warum?
Mit der Einstufung in Risikoklasse 4 liegen wir in der Mitte der siebenstufigen Skala, und in diesem Bereich ordnen sich auch viele andere Infrastrukturfonds ein. Das ist aus meiner Sicht auch angemessen. Renditechancen sind mit entsprechendem Risiko verbunden. Mein Job als Fondsmanager ist es, mögliche Risiken zu antizipieren und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, etwa bei der Vertragsgestaltung oder der Diversifikation des Portfolios.
Sie haben Kindergärten als Beispiel genannt. In Deutschland gibt es eine große Skepsis gegenüber Investoren, die mit der öffentlichen Hand investieren. Bekommen Sie das auch zu spüren?
Deutschland hat bei Public-Private-Partnerships im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sicherlich noch Potenzial. Grundsätzlich spüren wir bei unseren Gesprächen mit öffentlichen Partnern eine große Offenheit uns gegenüber. Wir sprechen dieselbe Sprache und sind über die Commerzbank gut vernetzt im öffentlichen Sektor. Das ist eine gute Ausgangsbasis für eine vertrauensvolle und langfristige Zusammenarbeit.
Wie wirkt sich das auf die Kosten eines Projekts aus? Das ist ja ein häufiger Kritikpunkt, wenn es um externe Investoren geht.
Womöglich wird ein Projekt dadurch geringfügig teurer, als wenn die Stadt es komplett mit Eigen- oder Fremdkapital selbst auf die Beine stellen würde. Aber das ist genau das Problem: Vielen Städten und Kommunen fehlt das Geld, da gibt es diese Option gar nicht. Das Alternativszenario wäre, dass es gar nicht gemacht wird. Das ist im Übrigen auch ein Argument für viele Anleger: Mit ihrem Geld werden reale Projekte umgesetzt und das Ergebnis – etwa eine neue Kita oder ein erweitertes Fernwärmenetz – ist sichtbar.
Wie groß soll Ihr ELTIF werden?
Mit dem klimaVest haben wir nach fünf Jahren ein Fondsvolumen von 1,7 Milliarden Euro erreicht. Daran orientieren wir uns. Bis 2030 wollen wir zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro im Fonds haben.
Das hat – abgesehen vom klimaVest – noch kein ELTIF geschafft.
Der Vertrieb ist stark gestartet und wir sind überzeugt, dass der Fonds das Potenzial hat. Unser Vorteil ist, dass wir mit dem klimaVest schon einen großen Eltif am Markt haben, mit dem unsere Vertriebspartner gute Erfahrungen gemacht haben. Davon profitiert jetzt auch der infraVest.
Das Interview erschien im Fachmagazin Das INVESTMENT.